Baguette und Reishunger – fünf Freitagslieblinge am 3. November 2017

Es ist Freitag und die Woche lief bei weitem nicht so, wie ich sie mir vorgestellt habe. Ursprünglich hatte ich vor, die Montagsliste wöchentlich erscheinen zu lassen, aber bei uns geht es momentan drunter und drüber, die Energiereserven sind so langsam aufgebraucht.

Ich habe mir noch nicht mal gedanklich eine To-Do Liste erstellt, da ich die von letzter Woche nur teilweise abgearbeitet habe. Manchmal muss man eben fünf gerade sein lassen und nur das Allernötigste erledigen wie den groben Haushalt und das Einkaufen.

Haylees Opa liegt weiterhin im Krankenhaus, der Mann düst täglich hin. Manchmal begleiten wir ihn und gehen in der Gegend ein wenig spazieren. Es ist schön, mal einige andere Häuser und Gärten zu sehen, als die Altbekannten. Aber sonderlich spannend ist es dort auch nicht. Das ist eben so in Wohngegenden.

Dabei versprach die Woche eigentlich ganz spannend zu werden. Nachdem ich letzten Freitag schon nicht auf den Kindergeburtstag des Patensohnes gehen konnte, freute ich mich sehr auf den am Montag. Dort hatte nämlich die Cousine des Sohnes Geburtstag und feierte im Block House, einem Steakhouse. Ich freute mich bereits auf einen Burger mit Pommes und ein wenig Gequatsche mit den Freundinnen. Aus mir unerklärlichen Gründen gefiel es Haylee dort überhaupt nicht. Sie schrie den gesamten Laden zusammen und schluchzte herzergreifend. Ich war baff, weil sie so eine Nummer noch nie gebracht hat. Man sagt ja, dass Kinder sich manchmal in eine Schleife schreien und man sie einfach nur aus der Situation reißen muss, damit sie sich beruhigen können. Also stiefelte ich mit ihr die Treppe runter in den Keller, wo sich die Toiletten befanden. Was für ein beißender Geruch, der mich sofort an die Kanalisation und Ratten denken ließ. „Kind, beruhig dich schnell, sonst kotz ich hier alles voll“, dachte ich nur. Nach einer gefühlten Ewigkeit fing sich Haylee, sodass ich den Aufstieg wagte!  Offensichtlich gefiel es ihr auf dem Klo wesentlich besser und so weinte sie am Tisch erneut bitterlich. Also zog ich das Baby wieder an, nahm mein Püppikind ins Tragetuch und rüstete mich für den Abgang. In dem Moment schallte aus den Lautsprechern das obligatorische Geburtstagslied und die super nette und aufmerksame Kellnerin brachte das Tischfeuerwerk fürs Geburtstagskind, Sekt und O-Saft. Gott sei Dank hatte sich Haylee im Tragetuch etwas beruhigt, wohlwissend, dass wir die Lokalität wohl gleich verlassen würden. Sie ließ mich mit den anderen noch anstoßen und immerhin das Gläschen austrinken. Kaum waren wir wieder zu Hause, war das Töchterchen dann wie ausgewechselt, lachte und strahlte mit dem Papa um die Wette.

Mein Mittwochsdate fiel auf Grund von Krankheit ebenfalls aus. Kein Wunder, denn das Wetter rafft ja momentan viele reihenweise dahin.

Doch es gab auch ein paar wirklich schöne Momente und von denen will ich Euch kurz erzählen.

Mein Lieblingsessen der Woche gab es eigentlich am Montag. Aus den Pommes mit dem Burger wurde ja nichts. Dafür gab es aber eine gute Alternative! Kroketten mit Rumpsteak und einer Gemüsepfanne. Zum Fotografieren war es dafür allerdings schon zu dunkel. Meine Nummer zwei war ofenwarmes Baguette mit Butter (eigentlich Margarine) und groben Kräuter-Meersalz nach dem Rezept von Frei Knuspern. Mein Baguette sieht zwar bei weitem nicht so gut aus wie das von Fabienne, aber lecker war es dennoch.



Ein Lieblingsbuch kann ich auch diese Woche nicht aufweisen. Ich hatte überhaupt nicht die Muße zum Lesen und stöberte maximal auf einigen Blogs herum. Allerdings habe ich im Buchladen einen kurzen Blick auf die Kochbücher geworfen und war fasziniert vom Cover des Buches Reishunger! Geil, ein Buch voller Reisgerichte. Ich blättere darin rum und fand es etwas kurios, auf den ersten Blick nicht den Reis in jedem Gericht zu sehen. Macht ja irgendwie keinen Sinn, dachte ich noch. Besonders angetan war ich von einem portugiesischen Mandelkuchen, der aus viel Eigelb, aber ohne Reis  bestand. Als ich erneut, leicht verwirrt, einen Blick aufs Cover war, stand da auf einmal Reisehunger. Ich könnte schwören, dass sich das E während des Lesens auf mysteriöse Weise dazu gezaubert hat. Wer also Lust auf Rezepte von Portugal bis Singarpur hat, der sollte unbedingt mal einen Blick in das Buch Reise Hunger aus dem GU Verlag von Nicole Stich werfen.

Bild via GU Verlag

Mein Lieblingsmoment nur für mich war das spontane Treffen mit meiner Freundin am Feiertag. Ich liebe es, wenn man einfach fragt „hast Du nachher kurz Zeit?“. Diese ewigen Termine, die man wochenlang im Voraus plant, nerven mich kolossal. Das ist vielleicht auch den spontanen Absagen geschuldet, die solche Treffen häufig mit sich ziehen. Ich freue mich dann bereits schon lange auf einen schönen Nachmittag oder Abend und zack wird er kurzfristig gecancelt. Daher liebe ich es spontan, da es dann meist eh ganz unbeschwert und lustig wird.

Der Lieblingsmoment mit Kind fand diese Woche im Wartezimmer statt. Nachdem meine Freundin mir erzählte, dass ihrer Schwester der Kinderwagen aus dem Treppenhaus geklaut wurde, schleppe ich jetzt nach Möglichkeit das Oberteil des Wagens überall mit hin. Allerdings ist es mir mit Haylee im Wagen einfach zu schwer. So betrat ich also zunächst die Praxis, zog der kleinen Madame die Winterjacke aus und legte sie auf den Fußboden vor ein Spielzeug. Ich erklärte ihr, dass ich nur kurz den Kinderwagen holen würde und sofort wieder da wäre. Und tatsächlich hat es geklappt! Haylee spielte vergnügt mit diesem Holzgedöns und merkte meine Abwesenheit vermutlich noch nicht mal richtig. Und wenn doch, dann meisterte sie es zumindest mit Bravour.

Die Inspiration der Woche fand ich bei Geborgen Wachsen von Susanne und ihrem Artikel „Ich kann aber nicht mehr“.

„‚Ich kann nicht mehr!’ schreit das Kind und ich verstehe nicht so recht. Aber was kann es denn nun nicht? In der Bahn sitzen? Wie kann man eigentlich nicht aushalten, in der Bahn zu sitzen? Auf einem Sitzplatz? Leise dahin geschaukelt werden und dem Ziel näher kommen. Dabei ein Buch ansehen oder ein Spiel spielen was kann man daran nicht können? Meine erwachsenen Gedanken können denen des Kindes nicht folgen. Mir ist unklar, warum nun jetzt und hier alles so schwer sein sollte, wobei es doch so einfach ist. „Du kannst nicht mehr?“ frage ich mein Kind. „Aber was denn nur? Hier sitzen?“ „Na das alles.“ wütet das Kind. Es wolle eben nicht mehr hier sitzen und warten und fahren und überhaupt.“

„Ich kann aber nicht“ mehr erinnerte mich daran, dass auch wir manchmal zu viel von Haylee verlangen bzw. nicht verstehen, warum sie sich in unseren Augen so bockig verhält. Warum kann sie nicht einfach im Block House still auf meinem Schoß sitzen und die anderen Menschen um mich genießen? Warum kann sie nachts nicht einfach mal durchschlafen? Es ist doch herrlich, eingekuschelt im Bett stundenlang zu schlafen. Ich verstehe nicht, warum das Kind alle zwei Stunden nachts aufwacht und nach Essen verlangt. Sie kann sich doch mal abends satt essen. Auch nach dem Lesen von Susannes Artikel begreife ich das Verhalten unserer Tochter nicht immer,  doch führt mir der Artikel jetzt bewusster vor Augen, darüber nachzudenken, was Haylee den Tag über schon alles geleistet hat. Kinder sind eben keine Maschinen, die man nach seinen eigenen Vorlieben programmieren kann. Und das ist auch gut so! Denn dann würde man all die schönen Momente, die kleinen Überraschungen und das ansteckende Lachen vergessen, dass kleine Babys und Kinder einem liefern. Da sollte man ein „ich kann nicht mehr“ in Kauf nehmen. Auch wenn es manchmal schwer fällt.

Ich wünsche Euch ein zauberhaftes Wochenende! Mehr Freitagslieblinge gibt es wie immer bei Anna von Berlin Mitte Mom.

xoxo
Christine

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