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erst mau, dann wow – das vielfältige Valencia

Und schon ist sie vorüber, unsere Zeit in Valencia. Wir hatten zwei volle Tage Zeit, die Stadt zu erkunden. Eigentlich wären es sogar zweieinhalb Tage gewesen, aber da unser Flug so viel Verspätung hatte, liefen wir am Dienstagabend nur einmal zum Stadtpark, der sich in einem ausgetrockneten Flussbett über sieben Kilometer durch die Stadt zieht.

Unsere Wohnung lag im obersten Stockwerk des knallgelben Wohnhauses. Eine schöne Gegend und nur drei Minuten von der Metrostation entfernt.

Während wir am ersten Tag weiter den Park erkundeten und feststellten, dass er dann einfach doch zu lang ist, um ihn ausgiebig mit einem Kleinkind zu entdecken, hatte ich am zweiten Tag die grandiose Idee, aufs Fahrrad umzusteigen.

Plattenbauten soweit das Auge reicht

Valencia bietet sich nämlich hervorragend an, die Stadt per Rad zu erkunden. Es gibt zahlreiche Fahrradverleiher, einen Kindersitz kann man dazu buchen. Leider hatten wir die Rechnung ohne unser Kind gemacht, dass sich zwar anfangs noch freudestrahlend in den Sitz setzen ließ, aber in Tränen und großes Geschrei ausbrach, als ich versehentlich beim Schließen des Fahrradhelms das Kinn einquetschte. Autsch! Das tat weh, mir noch mehr als ihr. Damit war das Thema Fahrradfahren dann allerdings erledigt. Das Fahrrad, der Sitz, einfach alles mutierte zum Monster.

ein Farbklecks im sonst so tristen Wohngebiet

Unser Vormittag endete erst einmal mit einem kräftigen Dämpfer. Ich hatte unglaublich schlechte Laune, da wir natürlich auch ohne Kinderwagen unterwegs waren und somit unsere Mobilität eingeschränkt war. Was machen, wenn das Kind jammert, der Mann genügsam und ich griesgrämig bin? Essen! Essen hilft immer, insbesondere, wenn es dabei um süßes Gebäck geht. Glücklicherweise lag die glutenfreie Bäckerei nicht allzu weit vom Fahrradladen entfernt, sodass wir uns erst einmal mit einem riesigen Donut, einer Nutellaschnitte und einem Hörnchen eindeckten. Die Laune stieg schlagartig. Was so ein bisschen Zucker doch für Wunder bewirken kann. Wir schlenderten durch ein Wohngebiet zurück, dass hauptsächlich aus Plattenbauten bestand, welches durch Hässlichkeit kaum zu überbieten war. Und dennoch fühlte ich mich wohl, da es ein paar versteckte Schönheiten gab. Hier eine Markise, da ein Obststand oder hier ein Café.

glutenfreier Donut

Wir sahen das bodenständige Valencia, das Valencia, in dem gelebt wird. Im Café kostet der Espresso immer noch einen Euro, das Rührei wird mit drei Scheiben Baguette serviert. Grob geschnitten, auf einem einfachen Teller angerichtet ohne Chichi.

Das Kind wurde müde und schlief schließlich auf den Armen des Mannes ein, sodass wir uns entschlossen mit dem Bus nach Hause zu fahren. Die Metrokarte gilt übrigens nicht in Bussen, sodass wir hastig nach Kleingeld kramten. Überhaupt finde ich es ja anstrengend, dass bei jedem Verkehrsbetrieb andere Regeln herrschen. Ich habe das System in Valencia überhaupt nicht verstanden. Eine Busfahrt kostet wohl immer 1,50 Euro egal wie weit man fährt. Die Metro wiederum weist ähnlich wie in Hamburg verschiedene Zonen aus. Wie viel nun eine Fahrt kostet, hat sich uns nicht erschlossen. Eine Einzelfahrt kostet für eine Zone 2 Euro, kauft man aber eine Metrokarte mit Guthaben, ja dann, dann spart man wohl irgendwie irgendwas. Egal! Wir düsten also mit dem Bus heim, genossen die Mittagsruhe in unserem Apartment und machten uns schließlich nach dem Mittagsschlaf des Kindes noch einmal auf zu neuen Abendteuern.

Palmenliebe (die Autokorrektur machte daraus übrigens Palmendiebe. Das Wort war mir bisher nicht so geläufig.)

die öffentliche Bücherei

Dieses Mal mit etwas weniger Plan. Wir schlenderten durch die Altstadt zum Bus, aßen spontan ein Eis und fuhren irgendwo in die Nähe des Ciutat de les Arts i les Ciències, einem Gebäudekomplex der spanischen Architekten Santiago Calatrava und Félix Candela. Ich mag die Bauten von Calatrava, auch wenn ich mir seinen Namen nach wie vor nicht merken kann.

Baden verboten! Dabei lädt das Becken einen doch geradezu zum Plantschen ein.

Einen Drink bitte!

Die Hauptattraktion war allerdings nicht der gigantische Gebäudekomplex, sondern der Spielplatz, den Haylee glücklich in Beschlag nahm. Immerhin konnten wir das Kind unter einigem Protest doch noch dazu überreden, bitte bitte einmal mit uns zu diesem weißen Klotz zu gehen. Am Ende fand sie es ganz gut und machte es sich schließlich in der Heinecken Bar gemütlich. Der Mann drängte uns allerdings in Anbetracht der voran schreitenden Stunde zum Aufbruch und so gingen wir schließlich zur Bushaltestelle zurück. Nachdem der erste Bus an uns vorbei fuhr und niemanden mehr mitnahm, da er bereits absolut überfüllt war, beschlossen wir, lieber noch einen kleinen Fußmarsch zur nächsten U-Bahnstation auf uns zu nehmen, als weitere Busse an uns vorbei ziehen zu lassen.

„Kuscheln“, rief das Kind!

Museu de les Ciències de València

Während der Mann und das Kind sich schließlich von der Metro schon mal ins Apartment begaben, huschte ich noch schnell ein letztes Mal im Supermark ums Eck und kaufte uns schnell Nudeln und Tomatensoße fürs Abendessen ein. Simple, schnell und sättigend.

Abendessen – Nudeln mit Tomatensoße, Gemüse und einem Salat.

xoxo
Christine

wir streifen durch Valencia

Wir sind für wenige Tage in Valencia und haben uns gestern einfach nur durch die Stadt treiben lassen. Viele Sehenswürdigkeiten haben wir dabei nicht gesehen. Sie lagen einfach nicht auf unserem Weg. Mit Kind schafft man einfach viel weniger Strecke. Steine müssen begutachtet werden, Treppen erklommen werden und auf einmal sind die Beine so müde, dass man dringend auf einer Parkbank platznehmen muss, auch wenn man erst wenige Minuten zuvor aus der Metro gestiegen ist.

Es war dennoch ein schöner Tag. Die Sonne schien, es wehte ein leichter Wind und wir haben die wohl tollste glutenfreie Bäckerei gefunden. Oh mein Gott! Donuts so groß wie Wagenräder, ganz weich, leicht gesüßt, aber nicht zu süß. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal etwas so köstliches gegessen habe. Im Prinzip schmeckte das Teilen wie ein Berliner, bloß ohne Marmelade. Selbst dem Mann schmeckte es so gut, dass auch er bedauerte, dass man so schnell satt war.

Mittags gingen wir in die Markthalle von Valencia. Sie ist riesig und ließ mein Herz gleich höher schlagen. Obst und Gemüse, so weit das Auge reicht. Stände, an denen man nur Fisch und Meeresfrüchte kaufen kann, andere wiederum bieten Schinkenspezialitäten oder Käse an. Ein Stand bot Nüsse und getrocknete Früchte an. Ey der Daus! Es gab getrocknete Pfirsiche, die saftig und soft waren. Wir gönnten uns eine große Portion von der valencianischen Paela, die uns allerdings nicht ganz so sehr überzeugen konnte. Sie wird mit Hase und Kaninchen zubereitet und war vor allen Dingen recht fettig. Ich habe dann doch ganz gerne Meeresfrüchte in meiner Paella.

Da die Markthalle nur einen Steinwurf von unserem Apartment entfernt lag, entschlossen wir uns spontan, die Siesta daheim zu verbringen. Wir selbst waren einfach viel zu müde, um das Kind durch die pralle Mittagssonne zu schieben. So machten wir alle drei einen ausgedehnten Mittagsschlaf.

Die Kuppel der Markthalle von Valencia.

Auf dem Heimweg kamen wir an einigen Prostituierten vorbei, die ein merkwürdiges Bild abgaben. Sie wirkten leicht verloren, waren nicht gerade freizügig gekleidet, dafür aber so grell geschminkt, dass ihre Gesichter wie Fratzen aussahen. Die Gegend selbst sah nicht gerade wie ein Rotlichtmileu aus. Aus einem Mehrfamilienhaus purzelten ein paar Damen mit erleichterten Gesichtsausdrücken heraus. An der nächsten Ecke stand dann ein Kunde, ein älterer, gut gekleideter Herr, der auf etwas zu warten schien, neben ihm eine Frau mit schlecht blondieren Haar und knallpinken Lippenstift. Er schaute immer wieder zu dem Hauseingang, aus dem gerade eine Handvoll Frauen gegangen waren. Er schien auf etwas zu warten, vielleicht auch nur darauf, dass wir endlich an ihm vorüber gingen. Wir liefen an den beiden vorüber und sie fragte ihn leise etwas wie „wollen wir los?“. Ich war ein wenig überrascht, dass um diese Uhrzeit so reger Betrieb herrschte, aber offensichtlich scheint sich das Geschäft auch zu dieser Tageszeit zu lohnen. Ich war ehrlich gesagt sehr neugierig, ob der älterer Herr mit der Dame nun davon ging oder sich doch noch einmal anders überlegte. Stehenbleiben wollte ich aber nicht, da das Kind in meinen Armen immer schwerer und es in der Sonne gleichzeitig unerträglich warm wurde. So drehte ich mich während des Gehens noch einige Male um, bis ich die zwei schließlich gemeinsam davon gingen sah.

In Spanien gehen die Uhren ja ein wenig anders, was ich zwar immer wieder gehört, aber definitiv nicht verinnerlicht habe. Man hat es da einfach nicht so eilig. Und vor allen Dingen gibt es eben auch Läden, die es mit einer ausgedehnten Siesta recht genau nehmen. Daher lohnt es sich immer, vorher die Öffnungszeiten zu überprüfen, damit man nicht vor verschlossen Türen steht und der gesamte Zeitplan ins wanken gerät.

Statt also in einen der zahlreichen Parks oder gar ans Meer zu fahren, verbrachten wir den späten Nachmittag auf dem unattraktivsten Spielplatz Valencias und deckten uns dann noch mit Brot zum Abendessen ein. Haylee fand es klasse. Sie freundete sich mit einem russischen Mädchen an und tobte ausgelassen zwischen Wippe und Rutsche hin und her.

Wir hatten definitiv einen guten Tag, auch wenn er nicht dem eines Reiseführers entsprach.

xoxo
Christine