Faulenzen in Ashland

Unser nächster Stop in Oregon war Ashland. Es ist eine kleine Stadt ganz im Süden. Wenn man uns fragt, was wir dort gemacht haben, so lautet die ehrliche Antwort: nichts. Für viele ist es sicherlich unverständlich. Da fahrt Ihr so weit und macht nichts? Das könnt Ihr doch auch zu Hause.

So ganz stimmt es natürlich nicht. Wir waren Essen (wir essen hier wirklich viel und stets ausgezeichnet), haben mir einen Badeanzug und Haylee Schwimmwindeln gekauft, sind in den Pool gehüpft, der herrlich erfrischend war und von Haylee überraschenderweise heiß und innig geliebt wurde und waren auf dem Postamt. Es ist merkwürdig, das Postamt zu erwähnen, aber während ich in der überraschend langen Schlange anstehen musste, fand ich es sehr erwähnenswert und ein klein wenig amüsant.

Ich gehe nicht gerne zur Post, weder in Hamburg, noch in Italien oder in den USA. Wenn man hingegen mit seiner Zeit nichts anzufangen weiß, kann ich einen Besuch im Postamt wärmstens empfehlen. Es dauert, die Kunden haben entweder sehr spezielle Wünsche oder der Postbeamte ist eine Schlaftablette. Man muss also Zeit einkalkulieren.

Seit über einer Woche schleppe ich eine Geburtstagskarte mit mir herum. Das sie das Geburtstagskind zu spät erreichen würde, war klar, da wir sie erst einen Tag vor dem Geburtstag gekauft haben.

Natürlich konnte man beim Kauf der Karte keine Briefmarken erwerben. Ich glaube, so etwas gibt es nur in Touristenorten, die schrecklich hässliche Ansichtskarten verkaufen.

Seit einer Woche suchen wir also ein Postamt und fanden, wenn überhaupt, stets nur geschlossene. Es ist etwas frustrierend, da man die Karte ja gerne los werden möchte und nicht selbst austragen will.

Als wir also mehr zufällig am Postamt in Ashland vorbei liefen, habe ich mich riesig gefreut. In so einem kleinen Ort kann ja nicht viel los sein, dachte ich noch.

Ha, vor mir war bereits eine lange Schlange, hinterem Schalter aber nur 1,5 Personen. Das klingt jetzt komisch, denn genau genommen standen da ein Mann und eine Frau, aber nur die Frau trug die offizielle Arbeitskleidung der Post. Die genaue Jobbeschreibung des Mannes ist mir hingegen immer noch ein Rätsel. Vielleicht war er ein Praktikant oder musste einen sozialen Dienst ableisten. Er durfte nur Pakete aushändigen und Kunden zum Briefmarkenautomaten nach draußen begleiten, bei dem man allerdings nur Marken innerhalb der USA erwerben konnte. Dabei war er clever und flink, während seine dicke, träge Kollegin in Zeitlupe arbeitete.

Es war für alle Beteiligten etwas frustrierend. Gekrönt wurde das Ganze nur noch von einem jungen Mann, der ein Paket aufgeben wollte. Während die Postbeamtin den großen Karton kompliziert mit einem Maßband ausmaß, fragte sie ihn, zu welchem Tarif er es gerne versenden möchte. „Express or standard?“. Da er die Frage nicht verstand, wiederholte die Frau diese immer wieder, bis sie schließlich sagte „billig oder teuer?“. Wir atmeten alle auf, als er „billig“ antwortete. Schön, kann es ja weitergehen! Der junge Mann bezahlte, blieb stehen und bückte sich. „Ich habe noch ein Paket!“

Ich lachte laut in mich hinein. Im Film würde man sagen, dass das Drehbuch doch nun wirklich ziemlich schwach und leicht überzogen sei. Doch so ist das Leben!

Nach einer halben Stunde Warten und das ist jetzt wirklich nicht übertrieben, war ich wirklich dankbar, als ich meine Briefmarken in den Händen hielt. Ich habe in den USA bei jedem Postamtbesuch Kuriositäten erlebt. Das Briefmarken ausverkauft waren, ist keine Seltenheit gewesen.

Vielleicht sollte ich doch dazu übergehen, die Postkarten elektronisch zu gestalten und dann automatisch versenden zu lassen. Das ist zwar unpersönlich, da ich handgeschriebene Postkarten sehr schätze, aber so entfällt immerhin der zeitraubende Besuch auf dem Amt.

Happy weekend,
xoxo
Christine

P.S. Das Fotografieren auf dem Amt habe ich mich nicht getraut. Im Nachhinein sehr schade.

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